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Alles knackscharf dank Focus-Stacking – so geht’s

Alles knackscharf dank Focus-Stacking – so geht’s

Wenn du dich mit der Makrofotografie auseinandergesetzt hast, ist dir sicherlich aufgefallen, dass die Schärfentiefe in deinen Fotos oftmals zu gering ausfällt. In Fotografie-Foren und Communitys ist dir deshalb bestimmt schon einmal der Begriff „Focus Stacking“ über den Weg gelaufen. Dieser Begriff, auch „Fokus-Stapelung“ genannt, beschreibt eine Technik der Bildbearbeitung, bei dem du mehrere Bilder desselben Motivs, mit leicht verschobenem Fokus übereinanderlegst und zu einem scharfen Bild vereinst.

Wir zeigen dir hier, was du alles für das Focus Stacking im Vorfeld beachten musst und wie dir die anschließende Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop gelingt. 


Problem der Tiefenschärfe und Bewegungsunschärfe

Erst einmal fragst du dich sicherlich: Die Ausbreitung der Tiefenschärfe wird doch über die Blende gesteuert, wobei eine kleine Blendenzahl wie beispielsweise f/1.4 oder f/2.8 eine geringe Tiefenschärfe und eine große Blendenzahl wie z.B. f/18 oder f/22 eine hohe Tiefenschärfe erzeugt. Warum blende ich nicht immer weiter ab, dann wird ja der Schärfebereich auch größer? 

Da liegst du gar nicht mal so falsch, aber gerade in der Makrofotografie schiebt dir die darauffolgende Bewegungsunschärfe einen Riegel vor. Vor allem bei hohen Abbildungsmaßstäben erhöht sich mit größer werdender Blendenzahl zwar die Tiefenschärfe, jedoch nimmt deine allgemeine Bildschärfe ab – und genau da bietet das Focus Stacking einen Ausweg. 


Ran ans Werk

Eine gute Vorbereitung ist das A und O und zeigt sich am Ende auch im Ergebnis. Möchtest du Focus Stacking anwenden, musst du einige Dinge im Vorfeld beachten, um möglichst identische Bilderreihen zu erstellen. Grundsätzlich empfehlen wir dir, manuell mittels Fokusring am Objektiv zu fokussieren. Außerdem solltest du deine Kamera auf ein Stativ montieren und sicherstellen, dass Kamera und Stativ einen stabilen Stand haben und fest arretiert sind. Um Verwackeln beim Auslösen zu vermeiden, raten wir dir den 2-sec Verzögerungs-Modus oder einen Fernauslöser zu benutzen. Denk daran: Jede noch so kleine Bewegung könnte dazu führen, dass sich der Ausschnitt oder der Kamerawinkel verändert und deine Aufnahmen sich unterscheiden.

Optimalerweise bewegst du dich mit der Schärfeebene von der Kamera weg, du fokussierst also von vorne nach hinten. Die Anzahl der Fotos für das Focus Stacking hängt von der Schärfentiefe des jeweiligen Bildes und damit vom Abbildungsmaßstab zuzüglich der Tiefe des Objekts ab. Im folgenden Beispielbild haben uns bereits 3 Aufnahmen ausgereicht, aber für beispielsweise eine größere Blüte oder die Innenseite eines Buches, können es auch bis zu 10 oder gar 20 Aufnahmen werden. Wichtig ist, dass am Ende keine größeren „Fokus-Löcher“, also unscharfe Bereiche durch zu grobe Fokus-Schritte, entstehen. 

Kleiner Tipp: Fotografiere vor und nach einer Bilderserie ein Abgrenzungsbild – Dies kann beispielsweise ein Schwarzfoto oder deine Hand, die du vor die Linse hältst, sein.


Auf zur Bearbeitung in Photoshop

Wenn du alle Bilder geschossen hast, geht es jetzt zur Bildbearbeitung. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Bildbearbeitungssoftwares, die du zum Focus Stacking verwenden kannst. Hier zeigen wir dir, wie du es mit Adobe Photoshop Schritt für Schritt hinbekommst.

Nachdem du deine Bilder auf deinem PC oder Laptop gespeichert hast, öffnest du Photoshop. Für das Focus Stacking nutzen wir nun die Photomerge Funktion. Diese findest du unter Datei > Automatisieren > Photomerge. In dem nun geöffneten Fenster, wählst du unter Layout, Auto“ aus und entfernst alle Häkchen (Bilder zusammen überblenden, Vignettierungsentfernung, etc). Danach wählst du unter Durchsuchen die Bilddateien aus, welche du stacken willst und drückst auf OK. Das Hochladen der Bilddateien kann, je nach Leistung deines Computers und Größe der Fotos, etwas dauern.Jetzt sind die Bilder noch nicht gestapelt (gestacket), sondern als Ebenen hinterlegt. Wähle nun mit gedrückter Shift-Taste alle Ebenen aus und wähle in der Taskleiste Bearbeiten > Ebenen automatisch überblenden aus. Hier öffnet sich wieder ein zusätzliches Fenster, wo du die Option Bilder stapeln auswählst und bestätigst anschließend mit OK. Auch dieser Prozess, kann wieder einen Moment dauern. Photoshop analysiert nämlich die ausgewählten Ebenen auf Gemeinsamkeiten und gleicht sie miteinander ab.

Das Endergebnis des Focus Stackings mit ein wenig Nachbearbeitung. Erstellt und berechnet wurde es mit der Photomerge-Funktion aus Adobe Photoshop. © Joachim Fredel

Fertig! – In den meisten Fälle ist am Ende des gesamten Prozesses dein Foto von vorne bis hinten scharf und so wie du es haben wolltest. Falls du doch etwas korrigieren möchtest, kannst du dies in den einzelnen Ebenenmasken machen.

Wir wünschen dir viel Spaß und Erfolg bei deinen nächsten Aufnahmen! 

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