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Die Schönheit des Regens

Die Schönheit des Regens

Für viele Menschen der Inbegriff schlechter Laune: Es prasselt gegen das Fenster, auf der Straße bilden sich Pfützen, alles ist nass und meist auch unangenehm kalt. Für uns Fotografen legt der Regen sogar noch eins drauf: Wir können unserem Hobby oder unserer Berufung oftmals nicht so einfach nachgehen, denn drinnen ist es zu dunkel und wir müssen erst aufwändig Licht aufbauen, und draußen – wer möchte schon im Regen nach draußen?

Dennoch, wir möchten dir zeigen, dass Regen kein Grund für miese Stimmung sein soll, sondern im Gegenteil, dabei helfen kann, ganz traumhafte Bilder zu zaubern.

Regen an der Fensterscheibe

Dieses Motiv ist ein wahrer Klassiker – Regentropfen an der Fensterscheibe rangiert schätzungsweise unter den Top-20 Fotomotiven überhaupt. Zu seiner Beliebtheit trägt sicher die Einfachheit des Motivs bei, aber auch seine Aussagestärke: Fast immer steht es im Zusammenhang von Melancholie. Zur Gestaltung hast du ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Häufig sieht man einen Menschen hinter der Scheibe. Der Fokus liegt in der Regel auf den Tropfen, so dass das Gesicht je nach Blendenöffnung und Abstand zur Scheibe mehr oder minder unscharf erscheint. Damit lässt sich natürlich wunderbar spielen: Das unscharfe Gesicht steht nicht mehr für diese eine Person, sondern kann quasi ein Symbol für jedermann sein und der Regen symbolisiert Melancholie, nicht nur, weil Regenwetter manche Menschen melancholisch macht, sondern weil die fließenden Tropfen auch an Tränen erinnern.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, durch die verregnete Scheibe nach draußen zu fotografieren. Mit dem Fokus auf den Tropfen erkennt man im Hintergrund schemenhaft die Tristesse, vielleicht parkende Autos, nasse Fassaden, eilende Fußgänger, die ihre Schirme umklammern. Bei diesem Motiv kannst du mit dem Kontrast „draußen-drinnen“ spielen, etwa wenn du drinnen warmes Licht von Kerzen oder Glühbirnen nutzt. Das „Draußen“ wirkt dann noch ungemütlicher.

Die Regentropfen verleihen dem Bild eine nostalgisch-melancholische Komponente.

Tropfen an Pflanzen

Tropfen an Pflanzen wecken oft ganz andere Assoziationen: Sie wirken häufig besonders frisch, so dass sogar so manch eine Kunstblume Kleberkügelchen auf ihren Blütenblättern trägt, um diese Frische zu symbolisieren. Natürlich empfehlen wir dir echte Pflanzen, und da kannst du durchaus auch etwas nachhelfen, falls es gerade nicht regnet. Mit einer Sprühdose, etwa zum Bügeln, kannst du die kleinen Tröpfchen ins Bild bringen. Morgens früh oder direkt nach einem feinen Sprühregen hast du auch die Chance auf tauartige Tropfen, der sich wie glitzernde Kristalle auf den Blättern sammeln.

Taufrisch wirken die Regentropfen an den Blumen.]

Regennasser Asphalt

Und schon sind wir wieder beim Thema „Melancholie“, das auch das Motiv des regennassen Asphalts aufgreift. Für dich bedeutet dies also, dass du trotz Regen auch einmal vor die Tür gehen, vielleicht sogar in die nächste Stadt fahren solltest. Regnet es stark, lohnt es sich, die Kamera sicherheitshalber in ein Plastiktütchen einzupacken. Um den perfekten Foto-Spot zu finden, hältst du nach einer Senke im Pflaster Ausschau, in der sich Regen sammelt, vielleicht sogar eine Pfütze ergibt. Hier spiegeln sich dann die Beine von Passanten oder die Reifen von Autos und Fahrrädern besonders gut. Und wenn zugleich noch Regen hineinprasselt, ergeben sich abstrakte, fast impressionistisch wirkende Bilder.

Regennasser Asphalt, der die Lichter der Stadt spiegelt – abstrakt und atmosphärisch zugleich.

Abstrakter Regen

Überhaupt müssen Regenbilder nicht immer figürlich bleiben. Regen bietet sich optimal für abstrakte  Bilder an. Beginnen kannst du wiederum mit den Regentropfen an deiner Fensterscheibe: Die Tropfen und dahinter der weiße Himmel, oder, von draußen fotografiert, das Dunkel der Wohnung. So erkennt man lediglich die weichen und eigenwilligen Formen der Tropfen. Eine andere Möglichkeit für Regen-Abstraktion bietet sich mit dem Makroobjektiv: Hier kannst du die Spiegelung der Umgebung im Tropfen abbilden. Und wie wäre es, mit einer kurze Belichtungszeit die konzentrischen Ringe, die in Pfützen oder auf Gewässer treffende Regentropfen ergeben, einzufangen? Wenn du derart abstrakte Bilder präsentieren möchtest, bietet es sich übrigens an, mit Serien zu arbeiten. Wenn du alle Bilder in ähnlichen Farbtönen oder Helligkeiten gestalten oder alle in Schwarz-Weiß konvertieren, betont dies den Seriencharakter noch.


Getrockneter Regen auf der Linse

Derartiges ist eigentlich ein Dorn im Auge des Fotografen: Die Linse hat sauber zu sein. Aber, gerade, wenn Sie mit einem alten Objektiv fotografieren oder einen Schutzfilter verwenden, lassen sich mit getrockneten Tropfen durchaus schöne Effekte erzielen, da sie die Seitenbereiche etwas weich zeichnen und den Look einer sanften Vignette imitieren. Besonders gilt dies für getrocknetes Salzwasser, das sich häufig bei unachtsamen Kamera-Handling während Strandspaziergängen auf der Linse sammelt. Natürlich lässt sich das auch „faken“, indem Sie den Rand ihres Schutzfilters mit Salzwasser beträufeln und dies dann trocknen lassen. 

So – kannst du nun den nächsten Regen kaum mehr abwarten? Wir wünschen auf jeden Fall viel Spaß und gute Bilder.

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