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Foto-Grundlagen: Die Blende einfach erklärt

Foto-Grundlagen: Die Blende einfach erklärt

Sie ist das beliebteste Gestaltungsmittel, quasi an jedem Fotoapparat zu finden und gleichzeitig das wohl größte Mysterium für Foto-Neulinge. Die Rede ist von der Blende. Wir lösen den Knoten in deinem Kopf und erklären dir in einfacher Sprache, was du über die Blende wissen musst. So lernst du sie richtig einzustellen und dabei geniale Bildkompositionen zu kreieren.


Ungerade Zahlen, kleine Öffnungen und wie war das nochmal mit der Tiefenschärfe? Die Blende sorgt in der Fotografie gerade am Anfang für rauchende Köpfe. Zu kompliziert scheinen die Werte und zu kryptisch die verschiedenen Einstellrädchen. Kein Wunder, dass man einfach lieber auf den Automatikmodus an der Kamera zurückgreift. Denn wer will schon überbelichtete oder unscharfe Bilder, wenn die Automatik das alles auch von alleine kann? Doch nur wer sich an die manuelle Einstellung der Blende heranwagt, wird auf Dauer richtig fotografieren statt nur knipsen.

Was auf den ersten Blick mühsam und knifflig erscheint, ist in Wirklichkeit kein Hexenwerk. Und wenn du die Blende einmal verstanden hast, wirst du sie für immer lieben, versprochen! Denn sie bietet eine einzigartige Möglichkeit, ganz neue Bildwelten zu kreieren, die andere zum Staunen bringen.

Was ist die Blende eigentlich?

Die Blende ist für die Kamera nichts anderes als die Pupille für unsere Augen. Also ein kleines Loch, durch das Licht auf unsere Netzhaut fällt. Nur dass hier der Sensor die Netzhaut der Kamera ist. Die Größe der Öffnung regelt nun, wie viel Licht auf den Sensor trifft. Das Prinzip funktioniert wie bei einer Sanduhr: Je kleiner das Loch, desto weniger Licht kommt hindurch. Das macht sich auch die menschliche Pupille zunutze, indem sie sich bei viel Licht schließt und bei Dunkelheit weitet. Pupille und Blende haben folglich gemeinsam, dass sie sich an das vorhandene Umgebungslicht anpassen, um die Lichtzufuhr zu regulieren.

Die passende Blendenöffnung wählen

Die Blende unserer Kamera sitzt im hinteren Teil des Objektivs und besteht aus vielen kleinen Lamellen. Die Lamellen sorgen dafür, dass das Loch beweglich und immer annähernd rund bleibt. Du kannst die Größe der Blendenöffnung selbst bestimmen, indem du eine passende Zahl an der Kamera einstellst. Wir halten nochmal fest: Je größer das Loch, desto heller wird das Foto (vorausgesetzt, wir halten ISO und Verschlusszeit erst einmal konstant). Fotografierst du nun am Abend, wenn die Sonne gerade untergegangen ist, wirst du merken, dass sehr wenig Licht auf den Kamerasensor fällt. Jetzt solltest du die Blende so weit wie möglich öffnen. So verhinderst du, dass dein Foto zu dunkel und unterbelichtet wird.

Wie war das nochmal mit der Zahl?

Was bei Einsteigerinnen und Einsteigern die wohl größte Verwirrung stiftet: Blende schließen bedeutet gleichzeitig eine große Zahl einstellen und andersherum. Die kleinstmögliche Zahl am Objektiv gibt demnach Aufschluss darüber, wie weit sich eine Blende öffnen lässt. Und je weiter die Öffnung, desto bessere Fotos gelingen bei schlechten Lichtverhältnissen. Bei Dämmerung wird dein Foto also bei einer Blende von f/4 besser aussehen als bei einer Blende von f/11.

Schärfe als Gestaltungsmittel

Doch die Blende reguliert nicht nur die Lichtmenge und damit die Helligkeit im Bild. Auch die Tiefenschärfe verändert sich mit der Einstellung der Blende. Hier solltest du dir merken: Je größer die Blendenöffnung (z.B. f/2), desto unschärfer wird dein Vorder- und Hintergrund gezeichnet. Die Schärfe im Bild ist dann lediglich auf einen sehr kleinen Bereich begrenzt. Folglich solltest du für scharfe Ergebnisse vom Vordergrund bis in die hintersten Bereiche deines Fotos die Blende so weit wie möglich schließen. Dieses Spiel mit der Schärfe kannst du dir beispielsweise für stimmungsvolle Porträts oder Makrofotos zunutze machen. Hier möchtest du dein Hauptmotiv nämlich meistens so gut wie möglich vom Hintergrund freistellen. Das gelingt am besten mit geöffneter Blende und demnach kleinen Blendenzahlen von f/2 oder f/4.

Beispielfotos mit geöffneter Blende (f/1.8 bis f/5.6)

Das Regeln der Blende und damit der Tiefenschärfe gibt dir schnell ein Gefühl dafür, welche Looks deinen Motiven schmeicheln. Manchmal kann es hilfreich sein, kleingliedrige Details im Hintergrund in eine weichgezeichnete Fläche zu verwandeln. Das wirkt ruhiger und lenkt weniger ab. Hier ein paar Beispielfotos für Motive mit geöffneter Blende:

Die große Blendenöffnung sorgt bei dieser Makroaufnahme für einen weichen Vorder- und Hintergrund.
Porträts sind die Klassiker unter den offenblendigen Fotos.
Auch bei Tierporträts sind große Blendenöffnungen immer eine gute Wahl.

Beispielfotos mit geschlossener Blende (f/8 bis f/22)

Manchmal kann es jedoch schöner sein, die Blende eher zu schließen. So beispielsweise, wenn du eine Landschaft oder ein Stadtpanorama fotografieren willst. Dort will man in der Regel, dass das Foto von vorne bis hinten scharf ist. Auch Silhouettenfotos bei Gegenlicht gelingen am besten mit kleineren Blendenöffnungen. Hier einige Beispielbilder bei geschlossener Blende:

Der gesamte Straßenverlauf wird durch die geschlossene Blende scharf abgebildet.
Auch Landschaften profitieren sehr von einer großen Tiefenschärfe.
Der helle Schnee erlaubt geschlossene Blenden, da er genügend Licht abgibt.

Geschlossene Blenden eignen sich weniger für schlechte Lichtverhältnisse wie zum Beispiel in einem dunklen Wald oder in einem Konzertsaal. Grund dafür ist, dass der Sensor hier einfach nicht genug Licht einfangen kann. Damit dein Foto nicht zu dunkel wird, musst du die Blende öffnen oder alternativ auf höhere ISO-Werte und Belichtungszeiten zurückgreifen.


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