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Foto-Grundlagen: Die Belichtungszeit einfach erklärt

Foto-Grundlagen: Die Belichtungszeit einfach erklärt

Die Belichtungszeit gilt als eines der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Fotografie. Doch was hat es mit den wirren Zahlen eigentlich auf sich? Wir klären heute die wichtigsten Grundlagen rund um die Verschlusszeit und wie du sie dir in Zukunft gekonnt zunutze machst. Los geht’s!


Fotografieren ist so viel mehr als nur im Automatik-Modus zu knipsen. Doch die vielen Zahlen auf dem Kameradisplay schrecken uns häufig ab. Zu kompliziert scheint uns die manuelle Fotografie und zu kryptisch die verschiedenen Einstellungen. Doch die manuelle Fotografie ist kein Hexenwerk, wenn man bereit ist, ein paar falsch belichtete Fotos zu Beginn in Kauf zu nehmen. Und die hat wirklich jeder am Anfang aufgenommen – versprochen! Denke immer daran: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Die Belichtung verstehen

Die Helligkeit deines Fotos hängt von drei Komponenten ab, die du regulieren kannst:

  1. Wieviel Licht auf den Kamerasensor fällt (Blende)
  2. Wie lange das Licht auf den Kamerasensor fällt (Belichtungszeit)
  3. Wie lichtempfindlich der Sensor ist (ISO)

Die Funktion der Blende haben wir bereits hier erklärt. Heute widmen wir uns also der Belichtungszeit. Doch was ist die Belichtungszeit überhaupt? Wie bereits erwähnt, reguliert die Verschlusszeit die Dauer, in der Licht durch die Blende auf deinen Kamerasensor fällt. Je länger die Belichtung, desto mehr Licht fängt der Sensor ein und desto heller wird auch dein Bild. Das Prinzip funktioniert wie bei einer Sanduhr: Je länger du die Zeit misst, desto mehr Sand kommt durch die kleine Öffnung.


Kleine und große Zahlen

Die Verschlusszeit wird in Sekunden gemessen. Da es sich hierbei aber häufig um extrem kurze Zeitspannen handelt, tauchen meist mathematische Brüche im Kameradisplay auf: also beispielsweise 1/125 Sekunde oder 1/500 Sekunde. Es gibt sogar Verschlusszeiten von lediglich einer tausendstel Sekunde. Auf manchen Kameradisplays werden allerdings aus Platzmangel keine Brüche angezeigt. Dann steht die Zahl 125 etwa nicht für 125 Sekunden sondern für 1/125. Demnach wäre 125 eine längere Verschlusszeit als 800. Ganze Sekunden werden übrigens durch ‘’ gekennzeichnet (z.B. handelt es sich bei 2’’ um zwei Sekunden).


Die passende Verschlusszeit finden

Grundsätzlich gilt: Je weniger Umgebungslicht du hast, desto längere Verschlusszeiten benötigst du, um dein Foto ausreichend zu belichten. Möchtest du beispielsweise bei Dämmerung oder gar bei Nacht fotografieren, musst du die Verschlusszeit erhöhen, um viel von dem wenigen Licht einfangen zu können. Andernfalls würde man kaum etwas auf deinem Foto erkennen. Jedoch haben Fotos mit langen Verschlusszeiten auch einen Nachteil: Sie sind anfällig für Verwackler und Bewegungsunschärfe.

Wenig Licht bedeutet hohe Verschlusszeiten. Sonst wäre nichts vom schönen Sternenhimmel zu erkennen.

Unschärfe: Bildfehler oder Gestaltungsmittel?

Während bewegte Objekte wie zum Beispiel ein Wasserfall bei kurzen Verschlusszeiten eingefroren werden, erscheinen sie bei langen Verschlusszeiten wie ein Schleier. Der verschwommene Look kann ein geniales Gestaltungsmittel sein. Denn Bewegungsunschärfe zeigt häufig den Moment einer Szene und kann sehr stimmungsvoll wirken. Folgende Beispielbilder erhalten ihren Reiz durch Langzeitbelichtungen. 

Wasserfälle wirken besonders schön bei Langzeitbelichtungen. Ein Stativ ist hier Pflicht.
Lightpainting basiert auf dem Prinzip der Bewegungsunschärfe.

Doch lange Verschlusszeiten zeigen nicht nur die Bewegungen vor der Kamera. Auch Erschütterungen am Kameragehäuse durch Wind oder Zittern werden bei Langzeitbelichtungen sichtbar. Man spricht hier von Verwacklern. Während Bewegungsunschärfe als spannendes Gestaltungsmerkmal gilt, wirken Verwackler oft ungewollt und störend. Du kannst sie vermeiden, indem du bestimmte Belichtungszeiten nicht unterschreitest: wie zum Beispiel 1/125 Sekunde – eine Verschlusszeit bei der du gerade noch gut aus der Hand fotografieren kannst ohne zu verwackeln. Alternativ kann natürlich auch ein Stativ Abhilfe verschaffen.


Motive für kurze Verschlusszeiten

Bei bestimmten Motiven kann es hingegen hilfreich sein, auf sehr kurze Verschlusszeiten zurückzugreifen. Hierzu zählen zum Beispiel Fotos von Sportevents, Kindern oder Haustieren. Da sich die Motive häufig ruckartig und schnell bewegen, können kurze Belichtungszeiten von 1/1250 oder kürzer die Protagonist*innen einfrieren. Dann brauchst du dir auch um Verwackler keine Sorgen zu machen. Allerdings funktionieren kurze Verschlusszeiten nur, wenn genügend Umgebungslicht vorhanden ist. Wirke einer Unterbelichtung entgegen, indem du ISO erhöhst oder die Blende weiter öffnest.

Eingefroren im Sprung durch eine kurze Belichtungszeit.
Auch auf Sportevents möchte man Bewegungsunschärfe vermeiden.

Kommentare anzeigen (2)
  • Schön verständlich geschrieben.
    Allerdings ist dieser Satz nicht ganz korrekt: “wie zum Beispiel 1/125 Sekunde – eine Verschlusszeit bei der du gerade noch gut aus der Hand fotografieren kannst ohne zu verwackeln.”
    Das hängt ja erheblich von der benutzen Brennweite ab. Bei 600mm Brennweite wird man wohl kaum mit 1/125 Sek. scharfe Bilder bekommen. Wohingegen bei einem Weitwinkel auch eine längere Verschlusszeit noch zu scharfen Bildern führen kann.

    • Hallo Dieniti,
      danke für deine nette Rückmeldung! Du hast natürlich absolut recht. Das wurde hier von mir etwas zu allgemein formuliert. Allerdings wollten wir die Sache mit den Brennweiten für’s Erste außen vor lassen, da das für Einsteiger*innen sonst schnell zu kompliziert klingt. Es sollte ja eine einfache Grundlagen-Erklärung werden. Als Einsteigerin habe ich immer mit mein Kit-Objektiv (18-55mm) fotografiert. Heute liebe ich meine 50 mm Festbrennweite. Welche Brennweite nutzt du am liebsten?
      Liebe Grüße

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