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Fotos mit negativem Raum: Tipps für einen spannenden Bildaufbau

Fotos mit negativem Raum: Tipps für einen spannenden Bildaufbau

Als Foto-Neuling hast du dich bestimmt schon mal gefragt, warum ein bestimmtes Motiv auf manchen Bildern einfach besser aussieht als auf anderen. Die gute Nachricht: Du brauchst kein teures Equipment, um ausdrucksstarke Fotos zu machen. Häufig ist dafür allein eine spannende Bildkomposition entscheidend. Wir zeigen dir, worauf du achten musst.


Oft investieren ambitionierte Hobby-Fotografen viel Geld in hochpreisiges Kameraequipment. Doch ein hochauflösender Sensor und lichtstarke Objektive sind nur die halbe Miete, wenn du besondere Fotos machen möchtest. Viel wichtiger ist das fotografische Auge und die Bildkomposition, für die du dich entscheidest. Das Geheimnis wirklich ausdrucksstarker Aufnahmen liegt demnach bei der Person hinter der Kamera. Und den fotografischen Blick kann man mit etwas Übung erlernen.

Auch in Sachen Bildkomposition gibt es Regeln und Merksätze, die du dir antrainieren kannst, um zauberhafte Fotos zu kreieren. Der wohl wichtigste Schritt zu solchen Ergebnissen ist, das Motiv und den Raum wahrzunehmen und zu verstehen. Diesen Ansatz machen sich auch die Malerei und die bildenden Künste allgemein bei der Erschaffung von Bildern zunutze. Die Arbeit mit negativem Raum ist hierbei ein entscheidendes Gestaltungskriterium.

Leeren Raum einbeziehen

Was ist das eigentlich – negativer Raum? Und wie kann ein Raum überhaupt negativ sein? Im Prinzip ist es ganz einfach: Das Hauptobjekt bildet den positiven Raum eines Bildes und seine Umgebung den negativen Raum. Man könnte auch sagen: Das fotografierte Hauptmotiv soll im Fokus der Bildaussage stehen, während die Umgebung hintergründig in Erscheinung tritt. Quasi ein Zusammenspiel aus gesehen und nicht gesehen werden. Weil der negative Raum eher arm sein sollte an Bildinformationen, spricht man hier auch von einem Leerraum. Das Entscheidende daran: Erst indem negativer Raum vorhanden ist, kann überhaupt ein positiver Raum entstehen. Bei der Darstellung von Objekten bestimmt der negative Raum also darüber, ob ich ein Hauptmotiv überhaupt als solches erkenne oder nicht.

Negativer Raum ist eigentlich positiv

Indem sich der negative Raum also zurückhält, wirkt das Foto auf die Betrachter*innen ruhig und ausgeglichen. Und das, obwohl er auf den ersten Blick nichts mit dem Hauptmotiv zu tun hat. Das Spannende dabei: Erst der negative Raum ist es, der über eine gelungene Bildkomposition entscheidet. Er sollte deshalb unbedingt in deiner Fotografie Raum bekommen. Das klingt alles zu verwirrend? Wir erklären es an einem Beispiel. Stell’ dir vor, du möchtest einen Wasserkrug auf deinem Esszimmertisch fotografieren. Das könnte vielleicht so aussehen:

Alle Details im Bild sind sichtbar. Die Komposition wirkt daher unruhig und unentschieden.

Auf dem Bild ist sowohl der Krug als auch die Umgebung scharf und deutlich abgebildet. Dadurch sind alle Elemente klar zu sehen. Das Bild hat demnach keinen negativen Raum, da auch die Regale und die Pflanzen die Aufmerksamkeit der Betrachter*innen auf sich ziehen. Deshalb wirkt das Foto sehr unruhig und man weiß nicht so recht, wo man hinsehen soll. Doch das lässt sich vermeiden.

Zwar ist der störende Hintergrund hier beseitigt, jedoch wirkt das Foto jetzt statisch und langweilig.

Eine beliebte Lösung unter Einsteigerinnen und Einsteigern: Nah ans Hauptmotiv rangehen und sich nur auf den positiven Raum (die Formen des Kruges) konzentrieren. Denn dadurch schneidet man viel von der unschönen Umgebung ab und muss sich damit auch nicht mit störenden Elementen auseinandersetzen. Klingt doch gut? Solche Bilder wirken aber schnell fad und man kann den Kontext der Szene nicht so wirklich erkennen. Das Geheimnis lautet also: Nutze negativen Raum, um Spannung zu erzeugen!

Super: Der leere Raum sorgt für einen harmonischen Bildaufbau und stellt das Motiv in den Fokus.

Hier wird das Zusammenspiel aus positivem und negativem Raum sehr schön sichtbar. Erst der unscharf gezeichnete Hintergrund hebt die Konturen und Flächen des Wasserkrugs hervor. Die unschönen Regale im Hintergrund verschwimmen hingegen zu einer abstrakten, unscharfen Fläche, die das Bild zu einem echten Hingucker macht. Zwar nimmt der “leere” Bereich rund um das Hauptmotiv verhältnismäßig viel Raum ein. Jedoch verhilft dieser dazu, das Hauptmotiv in das Sichtfeld zu rücken. 

Wie unsere Beispielbilder gezeigt haben, kann es sehr hilfreich sein, dem Motiv mehr Hintergrund und Raum zu verleihen. Unser Blick wird so förmlich angezogen und weniger abgelenkt. Der negative Raum erzeugt dann eine ruhige und ausgeglichene Bildkomposition, die deinem Foto noch mehr Aussagekraft verleiht. Das funktioniert allerdings nur, wenn du auf kleingliedrige Details im Bild verzichtest und der negative Raum eine fast schon einfarbige Fläche darstellt.


Einen spannenden Bildaufbau schaffen

Es gibt dabei mehrere Möglichkeiten, den negativen Raum so ruhig und unaufgeregt wie möglich zu gestalten. Die Blende des Objektivs weit zu öffnen, um den Hintergrund in Unschärfe zu tauchen, ist dabei nur eine mögliche Option. Alternativ kannst du auch einen einfarbigen Hintergrund wie zum Beispiel eine weiße Wand oder den blauen Himmel wählen. Spotlights auf dein Hauptmotiv schaffen einen ähnlichen Effekt, indem sie den leeren Raum regelrecht im Dunkeln verschwinden lassen. Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten, negativen und positiven Raum im Bild miteinander zu kombinieren. Werde selbst kreativ!

Die Lichtführung sorgt dafüt, dass der störende Hintergrund ins Dunkel getaucht wird.
Auch ein einfarbiger Hintergrund wirkt sich als leerer Raum positiv auf die Bildwirkung aus.

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