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Gut gerahmt

Gut gerahmt

Früher war es ganz klar: Ein schönes Bild, sei es ein fantastisches Landschaftsgemälde oder ein ehrwürdiges Porträt, bekam natürlich einen Rahmen. Meistens waren das schwere, in Gold bemalte Holzrahmen. Heute sieht das natürlich anders aus – zwar gibt es einen Retro- und Nostalgietrend, der oft auch mit einem gewissen Augenzwinkern wieder auf alten Pomp und Glamour setzt, aber meistens nutzt man lediglich einen Alu-Dibond oder Hartschaumprint und da braucht es keinen Rahmen.

Ohne den Rahmen wäre das Motiv langweiliger – wichtig ist hier die geschlossene Blende, damit der Rahmen nicht allzu unscharf und damit undefinierbar wird.

Aber eigentlich geht es hier auch gar nicht darum, wie man seine Bilder nun konkret präsentieren möchte, sondern um die Rahmung des Motivs selbst. Dies bedeutet, dass das Hauptmotiv, das, was im Bild am wichtigsten ist, von etwas anderem umgeben wird. Vor allem zwei Effekte ergeben sich hierdurch:

  • Der Blick des Betrachters wird direkt zum Hauptmotiv – sei dies ein Berg, ein Gebäude oder eine Person – gelenkt.
  • Das Hauptmotiv erscheint in sich abgeschlossener, harmonischer. Als Betrachter empfindet man es eher so, als wenn man durch das Bild einen in sich ruhenden Einblick in eine andere Welt erhält.

Möglichkeiten zu rahmen

Wie kann man sich also das Prinzip der Rahmung zunutze machen? Ein Rahmen kann natürlich fast alles sein, das sich zumindest an zwei Seiten des Bildes befindet. Das bedeutet, ein fotografischer Rahmen muss nicht rechts und links, oben und unten zu sehen sein, oft reichen schon zwei Seiten, um den Effekt zu erzielen. Grundsätzlich gilt aber, dass Rahmenelemente eher an den Bildrändern eingesetzt werden, und nur selten bis zur Bildmitte reichen – hier befindet sich ja das Hauptmotiv.

Der Gegensatz zwischen Rahmen und Hauptmotiv macht auch klar, dass der Rahmen eher eine Unterstützung darstellen soll und folglich nicht zu sehr mit dem Hauptmotiv in Konkurrenz treten darf. Das bedeutet, dass ein sehr knalliger Rahmen bei einem eher entsättigten Hauptmotiv oft weniger gut geeignet ist: Quietsche-bunte Blumen, die eine dunkle Landschaft rahmen, sehen in den meisten Fällen etwas unpassend aus. Ähnlich sieht es mit dem Detailreichtum aus: Rahmst du mit filigranen Spitzenelementen eine grüne Wiese, wird der Betrachter wohl annehmen, du hättest etwas in der Bildmitte vergessen. Daraus folgt, dass ein guter Rahmen also weder zu farbintensiv, noch zu detailreich sein sollte. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ganz natürlich gerahmt: Die Pflanzen im Vordergrund, schön weichgezeichnet, ergeben trotz ihrer Größe einen unauffälligen, authentisch wirkenden Rahmen.

Genug von dem, was nicht sein soll – was funktioniert gut?

Grundsätzlich sind hier wiederum mehrere Möglichkeiten zu unterscheiden: Fotografierst du mit offener Blende, der Rahmen näher am Objektiv als das Hauptmotiv, ergibt sich eine Weichzeichnung und zugleich eine deutlichere Ebenenschichtung im Bild. Der Betrachter erkennt, dass sich die Rahmung im Vordergrund befindet, das Hauptmotiv ein Stück weiter in der Ferne, und wenn dann auch noch unscharfer Hintergrund hinzukommt, ist die Schichtung perfekt.

Befindet sich das Hauptmotiv jedoch auf einer Ebene mit dem Rahmen – zum Beispiel eine in einem Fenster stehende Person – funktioniert dieses Prinzip nicht. Dennoch ergeben Fenster und Türen natürlich ihrer Natur entsprechend gut geeignete Rahmen, die oft eine strenge Geometrie ins Bild bringen. Auflockern lässt sich dies durch eine schräge Perspektive, wenn du nicht frontal fotografierst und sich die Person aus dem Fenster hervorstreckt oder aus der Tür tritt.

Vielleicht befinden sich Rahmen und Hauptmotiv jedoch keineswegs auf einer Ebene, aber es wirkt doch besser, beides in gleicher Schärfe aufzunehmen oder es gelingt zum Beispiel aufgrund von stark weitwinkliger Optik keine schöne Weichzeichnung. Dies wirkt gerade bei klaren Formen – schroffen Felsen oder architektonischen Elementen, oft sehr ansprechend. Beim Blick durch ein Fenster hindurch kann dies ebenfalls recht spannend und abstrakt wirken.

Eine letzte Art der Rahmung, die hier kurz angesprochen sein soll, ist die Vignettierung: Zu den Bildrändern hin wird das Foto hell oder dunkel. Ein Rahmen im engeren Sinne ist dies natürlich nicht, aber erzielt einen ähnlichen Effekt.

Blumen als Rahmen lassen sich gut selbst platzieren und sind vor allem bei Frauenporträts beliebt.

Ein Rahmen im Rahmen

Zuletzt stellt sich natürlich noch die Frage, was mit dem Bild geschieht – möchtest du es zum Aufhängen an der Wand quasi ein zweites Mal rahmen, sei es in einem schlichten Edelstahlrahmen oder einem schweren, rüschigen Goldrahmen, oder bleibt es pur auf Alu-Dibond? Die Hängung ist natürlich noch einmal ein eigenes, großes Thema. Hier nur ein kleiner Tipp: Wenn du dich für einen Bilderrahmen entscheidest, bietet es sich an, die Rahmung des Motivs wieder aufzugreifen. Handelt es sich etwa um einen besonders dunklen Rahmen, empfiehlt sich Schwarz als Farbe für den Bilderrahmen.

Das Fenster ergibt automatisch einen Rahmen und strahlt hier etwas Abstraktes aus.
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