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Hands on!

Hands on!

Gute Dinge haben „Hand und Fuß“ – bei der Fotografie reichen manchmal auch nur Hände. Hände ergeben spannende Motive, können eigene Geschichten erzählen. Für Maler gelten sie als eine der am schwierigsten abzubildenden Körpermerkmale, bieten sie doch viel Struktur, weisen viele Schatten auf und damit viel Potenzial, etwas falsch zu machen. Als Fotografen haben wir es da natürlich besser. Dennoch ist es auch für uns sinnvoll, sich Hände, bevor wir ans Fotografieren gehen, einmal genauer anzuschauen.


Unauffällig!

In der inszenierten Menschenfotografie gilt meist eine ganz klare Regel: Die Hände bitte unauffällig und elegant platzieren. Frontale Handhaltungen werden gerade bei weiblichen Modellen meist vermieden, damit die Hände nicht plump und allzu auffällig wirken. Außerdem wird darauf geachtet, dass man nicht zu viele Adern und Knochen sieht. Notfalls bekommen sogar die Hände ein kleines Make-Up. Bildbearbeitung ist hier nämlich nicht unbedingt der Retter: Hände weisen nun einmal Strukturen auf, die man nicht völlig glattbügeln kann.

Hände, so könnte man schließen, sind also ein Problem. Aber nicht nur – betrachten wir nun ein paar Möglichkeiten, Hände zum Hauptdarsteller zu machen, und das sogar ganz ohne Make-Up:


Alt und jung

Ein Klassiker, der besonders beliebt ist, wenn Familiennachwuchs dazu gekommen ist: Die Hände von Oma, Mama und Baby in einem symbolstarken Bild, das nicht nur für den Zusammenhalt innerhalb der Familie steht, sondern auch für den Kreislauf des Lebens. Natürlich funktioniert dieses Motiv auch, wenn das Kind nicht mehr ganz so „frisch geschlüpft“ ist. Allerdings macht es hier Sinn, mit den Gegenposen „alt“ und „jung“ zu spielen. Um die alte Hand gut zu akzentuieren, können Sie mit seitlichem Licht arbeiten, welches die Struktur herausarbeitet, aber eine sehr junge Hand dennoch nicht altert.


Bei der Arbeit

Hände bei der Arbeit sind ein weiteres Motiv, das kleine Geschichten erzählen kann. Fotografieren Sie zum Beispiel die Hand eines Musikers, die über die Gitarrensaiten huscht – natürlich können Sie auch schummeln und die Person bitten, einmal für Sie in einem passenden Griff stillzuhalten, und dennoch wird das Betrachter des Fotos schon fast die Musik hören. Fotografien Sie mit offener Blende von der Seite und legen sie den Fokus auf die Finger, so dass die Saiten in der Unschärfe verschwinden.

Auch andere Beschäftigungen sind visuell attraktiv, so zum Beispiel „alte“ Handwerke: Ein Geigenbauer, der sein Meisterstück kreiert, ein Schuster, der das Leder händisch zerschneidet, ein Kalligraph, der mit Pinsel und Tusche zauberhafte Werke erschafft – all das sind spannende Fotomotive für Ihr Hände-Shooting und bieten sich im Übrigen auch bestens für eine Serie an.


Das kleine Extra

Bei manchen Motiven sind die Hände auch weniger der Hauptdarsteller, als ein Beiwerk, das Dynamik in ein ansonsten arg statisches Bild bringen kann. Stellen Sie sich das Foto eines perfekten kleinen Cupcakes vor – als Food-Foto sicherlich sehr sehenswert, aber vielleicht ein wenig statisch. Eine Hand, die den Cupcake augenscheinlich gerade mit einer Kirsch auf dem Sahnehäubchen dekoriert, macht das Bild sehr viel dynamischer. Achten Sie allerdings auf den Schnitt: Im Zweifelsfall nehmen Sie lieber erst einmal die gesamte Hand samt Unterarm aufs Bild. Das bedeutet auch, dass die Person gegebenenfalls ein Hemd oder einen Pullover anziehen sollte, der zum Motiv passt und vielleicht die Armbanduhr oder Armbänder ausziehen muss. Später haben Sie dann in der Bildbearbeitung die Möglichkeit, etwas enger zu schneiden. Ein Schnitt mitten durch die Finger sollte wohlüberlegt sein – nicht immer wirkt das attraktiv, sondern eher nach einem fotografischen Fehler.


Hände halten…

Hände halten Dinge – und genau das lässt sich auch wunderbar fotografisch festhalten, vor allem, wenn es sich bei diesem Dingen um pulverige oder kleinteilige Materialien handelt wie etwa Mehl, Weintrauben, Kaffeebohnen oder Linsen. Sie können Ihr Model bitten, mit den Händen ein Schälchen zu formen, das möglichst symmetrisch wirkt. Mit offener Blende legen Sie den Fokus auf das Gehaltene und zaubern mit einer leichten Aufsicht einen schönen Schärfeverlauf bis zum Boden. Achten Sie wiederum darauf, dass die Kleidung der Person farblich zum Material passt: Hält Ihr Model etwa Kaffeebohnen, wirkt ein braunes Outfit optimal, bei roten Himbeeren  könnte ein rotes Kleid passen, aber auch Grün einen raffinierten Kontrast ergeben.

Nun heißt es nur noch, Ihr Handmodel  zu casten – aber eigentlich kommt hierfür fast jeder infrage und die Hemmschwelle ist meist deutlich niedriger, als wenn Sie von jemandem Porträts machen möchten. Ansonsten hilft manchmal noch ein Nagelpflegeset für den Notfall – und dann heißt es: Hands on!

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