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Hochzeiten – ungestellt und nah

Hochzeiten – ungestellt und nah

„Ich bin ein Freund von ungestellten, echten Bildern. Ich fotografiere dezent aus dem Hintergrund und möchte Situationen so einfangen, wie sie wirklich passieren,“ sagt X-Fotograf Stefan Finger. Uns hat er seine Erfolgsgeheimnisse zu natürlichen Hochzeitsaufnahmen verraten.

Wie würdest du deinen Foto-Stil beschreiben? 

Ich komme aus der journalistischen Reportagefotografie. Wenn ich nicht gerade Hochzeiten fotografiere, arbeite ich für Magazine und Zeitungen wie unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Daher bin ich ein Freund von ungestellten, echten Bildern. Ich fotografiere dezent aus dem Hintergrund und möchte Situationen so einfangen, wie sie wirklich passieren. Ich gebe dem Brautpaar keine Vorgaben, was sie wann und wie zu machen haben. Ich möchte zu keinem Zeitpunkt der Mittelpunkt einer Hochzeit sein. Daher blitze ich zum Beispiel während einer Trauung grundsätzlich nicht, versuche mich so leise wie möglich zu bewegen und fotografiere auch immer im geräuschlosen Modus. Meine Fujifilm X-Pro3 und X-T3 verursachen kein Auslösegeräusch, was mir sehr hilft.

Die journalistische Porträtfotografie kommt mir auch während des Brautpaar-Shootings zugute: Ich möchte Bilder machen, die zum Brautpaar passen. Ich möchte, dass Freunde und Verwandte, die die Fotos betrachten, denken: ja, das sind sie! Das Brautpaar soll nicht unnatürlich wirken. Dabei gebe ich natürlich auch Anleitungen, suche vorher Locations und helfe dem Brautpaar, wenn es unsicher ist. Aber wenn man zu starre Anweisungen gibt, fotografiert man irgendwann ein eingefrorenes Paar, dass sich nicht mehr traut sich zu bewegen. Das Shooting muss Spaß machen und das Brautpaar darf auf keinen Fall gestresst von unserer Fotosession zurückkommen. Die Scheu vor dem Fotografieren kann man übrigens sehr gut nehmen, wenn man das Brautpaar in den eigenen kreativen Prozess mit einbindet. Ich mache zum Beispiel gerne Bilder, die speziell etwas mit einem Brautpaar zu tun haben. Das kann zum Beispiel ein gemeinsames Hobby sein. Nehmen wir das Brautpaar mit der Zigarre: Beide sind Kuba-Fans, die Verlobung war dort. Also habe ich gesagt: Bringt mal ein paar kubanische Zigarren mit. Sie wussten beim Anzünden der Zigarre noch nicht, dass ich genau das Foto haben wollte. Und nur deshalb stehen sie genauso da wie sie auf diesem Bild stehen – ohne sich groß Gedanken zu machen. Ich habe aber auch schon im Kino fotografiert (erstes Date des Paares), auf einer Laufbahn (beide laufen Marathon), in einer Einkaufspassage (dort hat sich das Brautpaar kennengelernt), mit Karnevalsschlangen (beide extrem „Jeck“), auf einer Rampe (Skater), im Bowlingcenter und so weiter.

Ich mache zum Beispiel gerne Bilder, die speziell etwas mit einem Brautpaar zu tun haben, wie etwa das extrem “jecke” Paar mit Luftschlangen.

Stefan Finger

Wann hast du mit der Hochzeitsfotografie angefangen und wie hat sie sich seitdem entwickelt?

Als ich angefangen habe – meine ersten Hochzeiten habe ich vor 16 Jahren fotografiert – waren noch viel mehr Fotografen unterwegs, die Unterhaltungen auf Hochzeiten unterbrochen haben, damit alle einmal in die Kamera grinsen. Das hat sich verändert. Die Reportage ist vielen Paaren wichtiger geworden. Als ich damals angefangen habe, hatte ich zumindest den Eindruck, dass mich der „Weddingphotojournalism“, wie er schon damals in den USA genannt wurde, von den meisten anderen Hochzeitsfotografen abgrenzen würde. Das ist jetzt Standard. Aber auch die Konkurrenz ist viel größer geworden. Jeder, der glaubt, eine Kamera gerade halten zu können, glaubt auch, eine Hochzeit fotografieren zu können. Vielen Fotografen fehlt die kritische Distanz zu ihren eigenen Bildern. Nur weil auf Instagram oder Facebook meinen Freunden ein Foto gefällt, das ich gemacht habe, heißt das noch lange nicht, dass das ein gutes Foto ist.

Wie wichtig ist das Equipment?

Das Equipment ist wichtig, aber ich bin kein Fotograf geworden, weil ich die Kameratechnik spannend finde, sondern weil ich Geschichten erzählen möchte. Deshalb muss sich das Equipment meinen Bedürfnissen anpassen, damit ich so arbeiten kann, wie ich möchte. Und das kann ich mit meinen Fujifilm-Kameras: Sie sind klein, unauffällig, geräuschlos und dazu auch noch leicht. Sie zerstören einfach keine Situation durch ihre Größe oder Lautstärke. Zudem: Wenn du Mal 14 Stunden lang mit den großen Kameras unterwegs bist, überlegst du dir dreimal, ob du dich für das eine Tanzfoto noch bücken und bewegen kannst. Schweres Equipment ermüdet. Das ist ein absoluter Vorteil der Kameras der X-Serie von Fujifilm. Zusätzlich hat das Unternehmen einen großen Fuhrpark an sehr guten Objektiven. Ich liebe es, mit Festbrennweiten zu fotografieren. Am meisten zum Einsatz kommt sicherlich meine Fuji X-Pro3 und das Fujinon XF23mm F1,4 R und das Fujinon XF56mm F1,2 R. Ich besitze aber auch das Fujinon XF35mm F1,4 R, das Fujinon XF16mm F1,4 R WR und sowohl das Weitwinkel-Zoom als auch das Telezoom. Wichtig ist auch, dass sowohl die X-Pro3 als auch die X-T3, die ich beide nutze, zwei Speicherkartenslots haben. Eine Speicherkarte ist bei mir immer ein Back-up. Bei Hochzeiten muss natürlich auch der Autofokus schnell genug sein und die Kamera muss ein gutes Rauschverhalten haben.

Was muss ein guter Hochzeitsfotograf deiner Meinung nach mitbringen?

Empathie! Und er oder sie sollte auf jeden Fall kritikfähig sein und sich mit anderen Fotografen zusammentun und die Bilder besprechen. Er sollte auch nach Möglichkeit bei ein paar Hochzeiten dabei gewesen sein und einen Hochzeitsfotografen beobachtet haben und sich der Verantwortung bewusst sein, die dieser Job mit sich bringt.
Man ist in Momenten dabei, in denen sonst nur die Trauzeugen und die Eltern dabei sind. Man erhält viel Vertrauen – und damit muss man umgehen können. Mir hat mal eine Braut, als ich mich abends von ihr verabschiedete, gesagt: „Schick die Rechnung, auch wenn kein einziges Bild etwas geworden ist. Ohne dich hätte ich mich heute nicht aus meinem Hotelzimmer bis zur Kirche getraut.“ Eine Hochzeit ist ein extremer Tag für jedes Brautpaar. Da musst du als Fotograf 100 Prozent präsent sein. Du musst funktionieren. Denn diesen Tag kannst du nicht einfach nachholen. Und da ist manchmal wichtiger, im wichtigen Moment das richtige zu tun oder zu sagen, als das beste Bild der Welt zu schießen. Ich bin als Hochzeitsfotograf nie nur Dienstleister. Ich fühle mich bei 99 Prozent der Hochzeiten, die ich bislang fotografiert habe, wie ein guter Freund des Brautpaares. Und das ist es, was es so schön macht, Hochzeiten zu fotografieren.

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Das Equipment: Fujifilm X-T3 und Fujifilm X-Pro3

Die X-Serie ist der perfekte Begleiter für Hochzeitsfotografen: Die Fujifilm X-T3 und die Fujifilm X-Pro3 sind handlich, lautlos und liefern professionelle Bildergebnisse, die zu überzeugen wissen.


Stefan Finger ist freier Fotojournalist, Lehrbeauftragter für Fotografie am Institute of Design Düsseldorf und arbeitet unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, den stern und GEO. Im Jahr 2010 gründete er die Fotoagentur „Hochzeit im Blick“. Knapp zehn Fotografen fotografieren für seine Agentur vor allem im Raum Düsseldorf., Hannover und Hamburg Hochzeiten im journalistischen Stil. Für seine Fotoreportagen wurde er unter anderem mit dem Preis „UNICEF Foto des Jahres 2014“ ausgezeichnet, war 2013 als CNN Journalist of the Year und sowohl 2014 als auch 2016 für den Medienpreis der Kindernothilfe nominiert. Er wird von der Agentur laif vertreten und lebt und arbeitet in Hannover und Willich.
hochzeit-im-blick.de und stefan-finger.de

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