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Hochzeitsfotografie – „Es dreht sich immer um das Paar!“

Fotografin und Grafikerin Jana Stein aus Köln sprach mit uns über die Kunst, den richtigen Moment bei Hochzeiten einzufangen.

Hallo Jana, erzähl mal, was sind deine Schwerpunkte?

Ich fotografiere überwiegend Hochzeiten, da ich mich gerne auf eine Sache konzentriere. Mit einher gehen da auch immer Familienfotos, Paar- oder Porträtshootings und im Nachgang einer Hochzeit auch das Babybauch-Shooting oder das Babyporträt.

Wie lange machst du das schon beruflich?

Seit 2017 habe ich richtig losgelegt, ein Gewerbe angemeldet und aus meinem Hobby einen Beruf gemacht. Als gelernte Grafikerin ging das Thema Fotografie und Bildaufbau immer schon Hand in Hand. Zur Hochzeitsfotografie kam ich durch einen Kollegen, der mich gebeten hatte, ihn bei seiner Eheschließung zu begleiten. So sprang ich ins kalte Wasser und fotografierte gleich eine Acht-Stunden-Hochzeit mit meinen zwei Kameras. Ich fühlte mich fast schon überfordert, doch das Paar war sehr glücklich mit den Ergebnissen.

Und dann bist du bei den Hochzeiten geblieben?

Reportage-Fotografie hat mir schon immer Spaß gemacht. Ich finde es sehr spannend, eine Geschichte zu erzählen. Mir gefällt es, mich im Hintergrund zu halten und die Menschen zu beobachten und ein wenig vorherzusehen, dass da gleich was Interessantes passiert. Dieses Gespür für solche Augenblicke entwickelt sich sicherlich auch, je mehr Veranstaltungen du begleitet hast – die Abläufe sind oft sehr ähnlich. Du bekommst als Fotograf oft auch Dinge mit, die dem Hochzeitspaar entgehen und gibst ihnen damit mehr wertvolle Erinnerungen mit. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass du mit guter Hochzeitsfotografie Geld verdienen kannst.

Dein Anspruch ist also sozusagen, bei Hochzeiten Undercover zu arbeiten?

Ja, zwei Drittel der Fotos entstehen tatsächlich so aus dem „Geheimen“ heraus. Ich halte den Augenblick fest, wie er ist: ungestellt, unverfälscht und unnachahmlich. Aber natürlich muss ich auch als Person zwischendrin in Erscheinung treten und für die Gruppenfotos oder die Bilder des Paares das Heft in die Hand nehmen und Regie führen. Dann versuche ich die Stimmung aufzulockern, damit keiner so
verspannt vor der Kamera steht.

Wie würdest du deinen Stil selbst beschreiben?

Ich versuche meine Fotos immer natürlich erscheinen zu lassen. Auch in der Nachbearbeitung sollen die Personen ästhetisch, aber auch authentisch wirken, ohne die Menschen zu verfälschen. Als Grafikerin muss ich jeden Tag Fotos durch Bildbearbeitung retten. Als Fotografin lasse ich es erst gar nicht soweit kommen und achte von vornherein auf Licht, Setting und Bildaufbau. Auf minimale Retuschen greife ich zwar wenn nötig zurück, aber runde Bäuche und graue Haare gehören einfach dazu. Ich will die Paare so zeigen, wie sie sind. Ich mag auch sehr Momente in denen etwas „schief geht“ oder etwas Humorvolles geschieht – das Kind,das beim Gruppenfoto die Zunge herausstreckt, lockert ein Foto unglaublich auf. Das zu erwischen ist vielleicht auch ein Teil meines Stils.

„Auch in der Nachbearbeitung sollen die Personen authentisch wirken.“

Jana Stein

Kommen wir zu deinem Equipment. Mit welcher Ausrüstung arbeitest du?

Als Kameras nutze ich die Nikon D750 und die D7200, ich habe mich bewusst für eine Vollformat und eine mit APS-C-Sensor entschieden, da ich mit den Brennweiten nochmals flexibler arbeiten kann. Bei den Objektiven nutze ich sowohl Nikkor, als auch sehr viel Linsen von Tamron. Überwiegend natürlich lichtstarke Festbrennweiten mit 35mm, 50mm und 85mm. Jedoch durch die Flexibilität in der Brennweite, besonders in der Kirche oder bei den Feiern, ist auch sehr oft das AF-S NIKKOR 24-70mm 1:2,8E ED VR im Einsatz, da kann ich schnell re-
agieren, auch wenn ich mich selbst nicht so viel bewegen kann.

Für Jana Stein sind spontane Momente die besten Momente.

Einmal angenommen du könntest eine „Bilderbuchhochzeit“ planen, wie würde diese für dich aussehen?

Tatsächlich stand eigentlich in Kürze eine solche Hochzeit auf meinem Plan, diese wurde jedoch aufgrund der Corona-Situation abgesagt. Ein Freund von mir wollte in Schottland heiraten. Ich durfte schon einige homosexuelle Hochzeiten mit Frauen begleiten, jedoch noch keine mit zwei Männern. Das dann noch in einer solch eindrucksvollen und schö nen Landschaft wie in Schottland war wirklich ein Wunsch von mir. Hier eine passende Geschichte zu erzählen, das war eine Herausforderung, auf die ich mich sehr gefreut habe.

Macht es einen Unterschied, auf einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit zu fotografieren im Vergleich zu einer Hetero-Hochzeit?

Diese Frage höre ich häufiger. Irgendwie scheinen in vielen Köpfen hierfür andere Regeln zu gelten. Es wird ja immer gesagt, dass du bei der Hochzeitsfotografie immer dicht an der Braut sein sollst, da passieren die interessanten Dinge. Das ist bei einer Homo-Hochzeit natürlich schwerer, da es entweder zwei oder gar keine Braut gibt. Oft wird dann die Frage gestellt, wer übernimmt dann die männliche Rolle und wer die weibliche? Das ist Quatsch. Ich den ke nicht in Geschlechterrollen. Ich fotografiere hier – genauso wie immer – die sich liebenden Menschen. Hier gibt es genauso zauberhafte Momente. Es macht für mich absolut keinen Unterschied. Und wenn man über Rollen reden möchte: Auch bei He-
tero-Hochzeiten sind die Rollen übrigens oft recht flexibel, teilweise steht der Bräutigam mehr im Vordergrund als die Braut. Hierfür musst du ein Gespür haben und das kannst du nicht am Geschlecht fest machen. Es dreht sich immer um das Paar!

Wie wirkt sich die aktuelle Situation für dich aus?

Ich hoffe natürlich sehr, dass es dieses Jahr noch ein paar tolle Hochzeiten gibt. Das werden wir jetzt eben einfach abwarten müssen. Jetzt ist an der Stelle eben Pause, es werden aber definitiv wieder Hochzeiten kommen. Ansonsten beschäftige ich mich nun stärker mit Porträt-Shootings, also im kleinen Kreis.


Jana Stein ist gelernte Grafikerin und eine professionelle Hochzeitsfotografin. Aber nicht nur bei Hochzeiten, auch in der Porträtfotografie setzt sie ihren authentischen Bildstil konsequent ein. www.luftkind.de

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