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Leicht gemacht: Künstlerische Fotos mit Bewegungsunschärfe

Leicht gemacht: Künstlerische Fotos mit Bewegungsunschärfe

Eine tolle Eigenschaft der Fotografie ist es, bewegte Motive im Moment einzufrieren. Doch will man Bewegungen vor der Kamera einfangen, sind scharfe Bilder nicht immer die beste Wahl. Wir zeigen dir, was du mit Bewegungsunschärfe alles machen kannst und wie du sie erzeugst.


Der Reiz von Sprungbildern, Wasserspritzern und anderen bewegten Fotomotiven liegt auf der Hand: Bereits die kleinste Bewegung, welche mit dem bloßen Auge manchmal kaum erkennbar ist, lässt sich mit der Kamera einfrieren. Es scheint deshalb, als seien kurze Belichtungszeiten von einem Bruchteil einer Sekunde die beste Wahl für spannende Fotos. Hinzu kommt, dass lange Verschlusszeiten unter Foto-Einsteiger*innen häufig für überbelichtete Aufnahmen sorgen. Klar, dass langen Belichtungszeiten erst mal wenig Beachtung geschenkt wird.

Die Schönheit des Verschwommenen

Dabei sind längere Verschlusszeiten super geeignet, Bewegungen stimmungsvoll einzufangen. Denn Unschärfe ist dazu in der Lage, Zeit sichtbar zu machen. Das klingt jetzt erst mal nach Hokuspokus. Doch betrachtet man die Funktionsweise des Kameraverschlusses genauer, wird deutlich, was es damit auf sich hat: Stell dir vor, du machst ein Foto. Währenddessen passiert Folgendes: Der Verschluss deiner Kamera öffnet sich nun für einen kurzen Zeitraum. Das ist der Moment, in dem Licht auf deinen Kamerasensor dringt – je länger, desto mehr.

Hast du nun eine etwas längere Verschlusszeit eingestellt, so kann jede noch so kleine Bewegung in diesem Zeitraum auf deinem Sensor festgehalten werden. Du siehst diesen Bewegungsfluss dann in Form von verschwommenen Details im Foto. Besonders bei sich schnell bewegenden Motiven, wie ein Auto beispielsweise, reichen Verschlusszeiten von bereits einer viertel Sekunde, um Bewegungsunschärfe herzustellen. Diese verwaschenen Elemente im Bild erzeugen dann eine ganz besondere Atmosphäre, die viel künstlerischen Freiraum lässt. Betrachter*innen haben bei solchen Fotos häufig das Gefühl, die Szenerie direkt mitzuerleben.


Unschärfe ist nicht gleich Unschärfe

Es gibt zwei verschiedene Arten von Bewegungsunschärfe, die du kennen und unterscheiden solltest. Auf dem obenstehenden Bild handelt es sich um Bewegungsunschärfe vor der Kamera. Gemeint ist damit das Mofa als Fotomotiv, das vom rechten Bildrand in das Bild fährt. Der Rest des Bildes ist hingegen scharf abgebildet. Das liegt natürlich daran, dass sich die Hausfassade und die Straße nicht bewegen. Doch dieser Look setzt voraus, dass die Kamera während der Aufnahme komplett still gehalten wird. Denn durch längere Verschlusszeiten werden nicht nur Bewegungen vor der Kamera sondern auch am Kameragehäuse selbst sichtbar. Bei dieser zweiten Form von Bewegungsunschärfe spricht man deshalb häufig auch von Verwacklern. Du kannst sie jedoch vermeiden, indem du deine Kamera auf ein Stativ stellst.


Bewegungsunschärfe durch den Mitzieh-Effekt

Doch Bewegungen des Fotoapparats sind alles andere als verboten. Das wird zum Beispiel auf dem Bild mit dem Radfahrer deutlich. Während bei unserem ersten Beispiel mit dem Mofa, das bewegte Objekt verschwommen war, ist hier nun der unbewegte Teil des Bildes unscharf. Doch wie kann das sein? Dieser Effekt entsteht dadurch, dass die Kamera im Moment der Aufnahme in Fahrtrichtung des Fahrrads mitgezogen wurde. Das hat zur Folge, dass das eigentlich bewegte Motiv gestochen scharf erscheint. Man spricht bei dieser Aufnahmeart auch vom Mitzieher-Effekt. Der besondere Look zeigt erneut, dass längere Verschlusszeiten super dazu in der Lage sind, Bewegungen ästhetisch in Szene zu setzen.


Mut zur Unschärfe

Fotos mit Bewegungsunschärfe können im Prinzip überall entstehen, wo Motive in Bewegung sind. Es ist dabei ganz egal, ob es sich um deine Katze oder einen rollenden Ball handelt: Diese Motive bieten dir die Möglichkeit, mit der Verschlusszeit zu experimentieren. Es gibt jedoch Objekte, die besonders vom verwaschenen Bildlook profitieren. Gerade fließende Gewässer oder fahrende Autos bei Dunkelheit sehen bei langen Belichtungszeiten spektakulär aus. Auch in der Porträtfotografie können verschwommene Bewegungen sehr stimmungsvoll wirken. Gerade dann sorgt die unperfekte Inszenierung für eine magische Momentaufnahme. Solche Aufnahmen eignen sich zudem hervorragend für die Schwarzweißfotografie. Verschwommene Schwarzweißfotos wecken besonders oft Emotionen, indem sie eine melancholische Atmosphäre erzeugen.


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