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So gelingen scharfe Bilder in der Dunkelheit

So gelingen scharfe Bilder in der Dunkelheit

Der Winter ist da. Die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Die perfekte Jahreszeit also, um mit deiner Kamera einen Ausflug in die Dunkelheit zu machen und die ersten Gehversuche in der reizvollen, aber auch herausfordernden Nachtfotografie zu wagen. Doch keine Angst, wir erklären dir, wie du mit etwas Übung die passenden Einstellungen für dein Motiv findest und die zauberhafte Atmosphäre der Nacht gelingen – und vor allem scharf – im Bild einfängst. Also lade die Kamera-Akkus auf, pack dich warm ein und stürze dich auf die vielen schönen Motive, die die Nacht zu bieten hat.

Ist das Umgebungslicht gering, gilt es möglichst viel Licht auf den Sensor deiner Kamera fallen zu lassen. Dies gelingt, indem du entweder die Blende weit öffnest, den ISO-Wert heraufsetzt oder die Belichtungszeit verlängerst. Welchen Weg du gehst, solltest du motivabhängig entscheiden. Grundsätzlich empfehlen wir dir jedoch im manuellen Modus und im RAW-Format zu fotografieren, um die beste Bildqualität zu erhalten und dein Motiv nachträglich verlustfrei bearbeiten zu können. Zudem solltest du ein Stativ mit in den Fotorucksack packen – viele Nachtmotive verlangen nämlich eine Langzeitbelichtung. Und diese gelingt am besten in sicherem Stand. Ein ebenfalls sinnvoller Punkt auf der Packliste für den nächtlichen Fotoausflug ist eine Taschenlampe. Diese hilft dir in der Dunkelheit nicht nur beim Aufbau des Setups und Bedienen der Kamera, sondern kann auch beim Fokussieren zum Retter in der Not werden – dazu aber später mehr. Bei der Wahl des Objektivs solltest du vor allem auf die Lichtstärke achten. Tolle Ergebnisse liefern Festbrennweiten im Weitwinkelbereich. Diese sind besonders lichtstark und du kannst viel von der nächtlichen Szenerie einfangen.

Hast du ein statisches Nachtmotiv vor deiner Linse, zum Beispiel eine Landschaft oder wie hier die Ansicht einer Stadt, empfehlen wir dir im manuellen Modus eine mittlere Blende vorzuwählen sowie die Lichtempfindlichkeit so gering wie möglich zu halten – bei diesem Bild kamen Blende f/16 und ISO 200 zum Einsatz. Durch diese Einstellungen erhältst du zum einen eine ausreichende Schärfentiefe von Vorder- bis Hintergrund und verhinderst zum anderen unschönes Rauschen im Bild, das vor allem in schwarzen Flächen besonders auffällig wird – für die Nachtfotografie also ein wichtiger Punkt. Durch die Vorwahl von Blende und ISO ergibt sich nun die Belichtungszeit. Je nach Motiv beziehungsweise den Lichtverhältnissen können dies mehrere Sekunden oder gar Minuten sein – bei unserem Bild waren es 25 Sekunden. Bei sehr dunklen Motiven kann es passieren, dass Verschlusszeiten über 30 Sekunden nötig werden und du in den Bueb-Modus (B) für Langzeitbelichtungen wechseln musst.

Um lange Belichtungszeiten ohne Verwackler zu meistern, empfehlen wir dir deine Kamera auf einem stabilen Stativ anzubringen. Hast du kein Stativ zur Hand, nutze eine Mauer, eine Bank oder etwas ähnliches, um deine Kamera während dem Auslösen abzulegen. Und wo wir schon beim „Auslösen“ angekommen sind: Verwende in der Nacht bestenfalls immer den Selbstauslöser deiner Kamera oder – noch besser – einen Kabel-oder Fernauslöser. Damit musst du die Kamera zum Auslösen nicht berühren und verhinderst auch die allerletzte Wackelgefahr.

Beim Thema Fokussieren kann es in der Dunkelheit etwas knifflig werden. Hast du ein helles Element im Bild – wie zum Beispiel ein erleuchtetes Gebäude in der Ferne oder eine Straßenlaterne – kannst du darauf in der Regel mit dem Autofokus scharfstellen. Befindet sich in deinem Bild jedoch kein heller Punkt, nimm eine Taschenlampe zur Hand und leuchte die Stelle an, um sie zu fokussieren. Hat deine Kamera trotz alledem Probleme einen Fokuspunkt zu finden, empfehlen wir dir in den manuellen Fokus zu wechseln und über den Live-View scharfzustellen. Eine universale Belichtungseinstellung für ein gelungenes Nachtfoto gibt es leider nicht. Mit etwas Übung und Geduld, wirst du den Dreh aber bald raus haben!

Möchtest du kein statisches, sondern ein bewegtes Motiv fotografieren, wie zum Beispiel eine Person im stimmungsvollen Nachtporträt, ist eine andere Herangehensweise notwendig. So ist für ein scharfes Bild bei gering vorhandenem Licht in Kombination mit einem bewegten Motiv vor allem eins entscheidend: eine kurze Belichtungszeit. Öffne die Blende dafür weit, sodass möglichst viel Licht einfallen kann und schraube den ISO-Wert falls nötig zusätzlich hoch. Den Fokus setzt du natürlich auf das Gesicht beziehungsweise die Augen der Person vor der Kamera – so wird der Hintergrund dank der offenen Blende in schöne Unschärfe getaucht. Fotografierst du in der Stadt, mache dir das vorhandene Kunstlicht zunutze, um dein Motiv auszuleuchten und wie in unserem Bild für spannende Licht- und Schattenspiele zu sorgen.

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