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So machst du Fotos mit schöner Hintergrundunschärfe

Gerade in der Porträtfotografie ist Hintergrundunschärfe ein zentrales Gestaltungsmittel. Du willst Fotos mit malerischem Bokeh aufnehmen? Wir verraten dir, wie der butterweiche Hintergrund gelingt!


Von Kamera-Fans gehypet und von den neuesten Smartphones imitiert: Die Rede ist vom Bokeh. Gemeint ist damit der Unschärfebereich eines Fotos (Bokeh ist japanisch und bedeutet so viel wie “unscharf, verschwommen”). Dabei ist der Look vor allem aus der Porträtfotografie bekannt, die sich scharfe Gesichter vor unscharfen Hintergründen als Gestaltungsmittel zunutze macht. Je unschärfer und weicher hier die Umgebung erscheint, desto besser. Denn so kommt das Hauptmotiv so richtig gut zur Geltung. Kein Wunder also, dass die großen Smartphone-Hersteller den Effekt in die eigenen Handykameras zu integrieren versuchen.

Aufgenommen mit 50 mm, f/4, 1/125 Sekunden, ISO 4000

Weich, weicher, Bokeh

Der Look lässt Porträts, Makros und Co dabei nicht nur ästhetischer aussehen. Die Unschärfe ist auch dazu in der Lage, störende Elemente im Hintergrund durch extreme Weichzeichnung zu kaschieren. Auch kleingliedrige Details werden so in eine abstrakte Fläche verwandelt, die den Blick deiner Betrachterinnen und Betrachter auf das Wesentliche führt. Allerdings muss nicht unbedingt der Hintergrund des Bildes unscharf sein. Auch im Vordergrund ist Unschärfe eines beliebtes Gestaltungsmittel. Es gibt insgesamt drei Faustregeln, die du dir für das Erstellen eines unscharfen Hintergrundes zu Herzen nehmen solltest.

Die Blende macht’s!

An erster Stelle steht die Blende deines Objektivs – und diese muss offen sein!  Sie ist auch der Grund, weshalb der Effekt bei iPhone und Co einfach nie so richtig authentisch aussieht. Während moderne Smartphones mithilfe von Software versuchen, schöne Weichzeichnung im Hintergrund zu erzeugen, kommt es bei einem schönen Bokeh eigentlich auf die Beschaffenheit deines Objektivs an. Und was bedeutet das jetzt genau? Du kannst dich an der minimalen Blendenzahl deines Objektivs orientieren. Dabei handelt es sich um die Zahl nach dem “f/”. Hier gilt: Je kleiner die Zahl, desto lichtstärker ist deine Linse und desto unschärfer kann dein Hintergrund am Ende werden (f/1.8 ist also besser als f/5.6). Der Grund dafür ist Physik und Strahlenoptik – auf Nerdtalk verzichten wir aber an dieser Stelle. Eine weitere Faustregel: Festbrennweiten sind meistens weitaus lichtstärker als Zoom-Objektive. Zudem sind diese relativ günstig in der Anschaffung.

Aber genug mit technischen Eckdaten! Achte beim Fotografieren darauf, deine Blende so weit wie möglich zu öffnen (das heißt eine möglichst kleine Zahl einzustellen). Denn je weiter deine Blende geöffnet ist, desto kleiner wird auch dein Schärfebereich im Bild. Und das ist genau, was wir wollen! So wird dein Hauptmotiv nämlich schön vom Hintergrund freigestellt. Gerade bei besonders kleinen Zahlen zwischen f/1.4 und f/2.2 solltest du aber unbedingt darauf achten, dass dein Fokus richtig sitzt. Denn bei offenen Blenden ist der sensible Schärfepunkt im Nu verschoben.

Eine Frage der Distanz

Du bist immer noch nicht zufrieden mit deinem Ergebnis oder möchtest einfach noch mehr Hintergrundunschärfe? Dann versuche nun, den Abstand zwischen deinem Hauptmotiv und dem Hintergrund zu vergrößern. Denn je weiter diese beiden Ebenen voneinander entfernt liegen, desto weicher wird dein Hintergrund erscheinen. So kannst du auch ohne teure Objektive geniale Ergebnisse erzielen. Auch der Abstand zwischen Kamera und Hauptmotiv spielt eine Rolle: Je näher du mit der Kamera an dein Motiv gehst, desto unschärfer wird der Hintergrund. Stehst du stattdessen weit von der Szenerie entfernt, wird es schwieriger, ein schönes Bokeh zu erzeugen. Experimentiere einmal mit den verschiedenen Abständen. Du wirst erstaunt sein, wie deutlich der Unterschied ist.

Weitwinkel oder Teleobjektiv?

Auch die Brennweite spielt bei der Hintergrundunschärfe eine entscheidende Rolle. Demnach wird dein Foto noch unschärfer, wenn du mit besonders großen Brennweiten zwischen 50 mm und 200 mm fotografierst. Demgegenüber sind Weitwinkelobjektive für weiche Bokehs eher ungeeignet. Hier sollte aber eine lichtstarke Linse (= kleine Blendenzahl) stets Priorität haben.

Magische Gestaltung mit Lichtkreisen

Du möchtest Fotos mit stimmungsvollen Lichtkreisen wie auf unserem Beispielbild kreieren? Dann sorge für punktuelle Lichtquellen im Hintergrund. Hier sind Kerzen oder eine Lichterkette hervorragend geeignet. Für den gewünschten Effekt, achte immer darauf, dass der Fokus niemals auf der Lichtquelle selbst liegt. Die kreisförmigen Lichtpunkte im Hintergrund sind für viele Fotograf*innen ein Kriterium für Bokehs von hoher Qualität.

Aufgenommen mit 50 mm, f/1.8, 1/100 Sekunden, ISO 100

Zu guter Letzt aber noch eine Sache: Beim Bokeh handelt es sich um ein subjektives ästhetisches Empfinden. Demnach gibt es hier kein Richtig oder Falsch. Du machst deine eigenen Regeln. Höre einfach auf dein Bauchgefühl und frage dich, was dir persönlich am besten gefällt und wie viel Unschärfe deiner Fotografie gut tut.


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